Interview Los GuaSoneros PDF Drucken E-Mail


Los GuaSoneros
ist eine aufstrebende Band aus Guantánamo/Cuba, die Insel die immer wieder von sich reden macht, nicht zuletzt wegen ihren ausgesprochen talentierten Musikern. Fast ein wenig wie der Fussball in Europa.

Um etwas mehr zu erfahren habe ich mich im Mai 2011 mit dem Direktor der Band Lorenzo Rodriguez (Bassist und Arrangeur) und in den sechzigern und siebzigern des letzten Jahrhunderts Leader der Rock-Band "Los Ases de Guantánamo", unterhalten.

 

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Elisa: Lorenzo, was ist der Grund für diese erstaunliche musikalische Entwicklung sowohl von dir persönlich als auch die deiner Band? Wo steht ihr in der musikalischen Landschaft Kubas?

Lorenzo: Wir konnten einen viel moderneren Son entwickeln; einen Stil der irgendwo zwischen Son und Salsa anzusiedeln ist. Darüber hinaus habe ich meine erste Liebe, den Rock, nicht vergessen: hie und da lasse ich Akkorde und Tonsetzungen „rockig“ einfliessen und das ist nun wirklich in der heutigen kubanischen Musik ungewöhnlich. Es verleiht uns ganz sicher einen besonderen Sound. Wir stehen aber genauso fest zu unseren Wurzeln die eindeutig im Son, Guanguanco und Guaracha liegen. Unsere Formation ist übrigens speziell für eine Son-Band: das Klavier annex Keyboard und die Trompete geben den Ton an und dann haben wir noch Drums, unüblich in der kubanischen Musik aber unerlässlich für rockige Einlagen.

Elisa: Ist für euch die alte traditionelle kubanische Volksmusik eigentlich ein Thema? M.a.W. ist die Musik im Stil der berühmten Buena Vista Social Club für euch Inspirationsquelle?

Lorenzo: Ganz sicher hat das Buenavista Projekt unsere Musik wieder auf die Weltkarte gesetzt und ich denke, dass dieser Erfolg schwer zu toppen ist. Nur schon deswegen setzen wir lieber auf unsere Eigenkompositionen, wobei mir unser Klavierspieler und Tonsetzer René Mendez eine unentbehrliche Hilfe ist. Zusammen suchen wir das jeweils beste Arrangement. Vor allem wollen wir jedem Song unsere ganz eigene “Duftmarke” mitgeben. Es ist uns wichtig, die Musik auf unsere Art zu interpretieren, aber immer gebettet in der musikalischen Wiege des Osten Kubas. Da sind wir stark, das ist unsere feste Überzeugung.

Elisa: Aber wie ist das jetzt genau mit deiner Rock-Vergangenheit?

Lorenzo: Na, das ist eben Teil meiner Jugend. Kein einziger Jugendlicher meiner Generation, du ganz sicher auch nicht, hat sich dieser damals revolutionären Musik entziehen können.

Elisa: Hombre, du irrst dich, ich war damals schon Jazz-Fan und habe mich ausserdem per Kurzwelle arabische Musik hineingezogen.

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Lorenzo: Du warst eben ein bisschen verrückt... Ich habe mich voll in die Musik der Beatles und Rolling Stones gestürzt. Deswegen habe ich mich an der Musikschule meiner Heimatstadt Guantánamo eingeschrieben undGitarre spielen gelernt. Bassgitarre natürlich. Etwas später habe ich dann meine erste Rock-Gruppe gegründet, eigentlich nur um mich selber zu amüsieren. Ich glaube, dass viele Jugendliche in Europa das Gleiche taten? Wir wurden dann aber schon bald zur bekanntesten Rock-Band des Osten Kubas und spielten in Klubs, Volksfesten und privaten Geburtstagsfeiern. Allerdings spielten wir einen kubanischen Rock, stark verwurzelt in der Volksmusik Kubas. Trotzdem, einmal hatte man uns für ein Konzert engagiert, wo die Organisatoren plötzlich rein kubanischer Musik wollten. Da sind wir richtig ins Schwitzen geraten. Natürlich war uns als Semi-Profis unsere traditionelle Musik nicht unbekannt; das Konzert war dennoch nicht so ganz gelungen... Ab diesem Moment haben wir dann zusätzlich ein kleines Répertoire mit den populärsten kubanischen Liedern der siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts aufgebaut. Daraus entstand schliesslich unsere heutige Band "Los GuaSoneros". Es war ein langer Weg vom Rock zur heutigen Son-Band mit modernem Sound.

Elisa: In Google habe ich das Wort “Guasonero” gesucht und nicht viel gefunden Warum habt ihr euch so genannt? Lorenzo: Es ist ein Wortspiel: Guaso heisst der Fluss an deren Ufern die Stadt Guantánamo liegt, Sonerosnennt man in Kuba Leute die Son-Musik spielen. Deswegen GuaSoneros.

Elisa: Wir wissen, dass ihr nächstens eure zweite Europa-Tournée startet. Wie war denn die erste?

Lorenzo: Das war eine irrsinnig abenteuerliche Erfahrung, kannten wir Europa doch überhaupt nicht. Wir wussten auch nicht, ob die Band beim Publikum gut ankommen wird. Aber je mehr wir spielten, je mehr Vertrauen schöpften wir als wir merkten, dass die Band dem Publikum ganz gut gefiel. Die Reaktionen waren zwar unterschiedlich. Vermutlich hat das mit der Art des Publikums, aber vielleicht auch mit unterschiedlichen nationalen Eigenarten zu tun. Es war für uns, die in einer so anderen, homogenen Gesellschaft mit einer ganz anderen Idiosyncrasia leben, sehr interessant zu beobachten.

Elisa: Ich weiss dass in Kuba grossen Wert auf Ausbildung gelegt wird. Sind deine Musiker Absolventen der einen oder anderen Musikschule?

Lorenzo: Zweifellos ist die Ausbildung der Musiker Basisvoraussetzung für die Formation einer Band die musikalisch etwas zu bieten hat. Von den 7 Musikern der Band sind 4 Musiklehrer am Konservatorium oder anderen Musikschulen in Guantánamo. Die restlichen 3 wurden an einer Kunstakademie ausgebildet. Die einzige Ausnahme ist der Lead-Sänger Alexis Aguilera der Autodidakt ist. Er zählt aber zu den besten und talentiertesten Nachwuchsmusikern der ganzen Oriente Kubas.

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Elisa: Wir haben noch nicht über Aufnahmen für eine CD gesprochen. Habt Ihr denn schon etwas herausgebracht? *

Lorenzo: Wir haben die Studioaufnahmen im April beendet. Es ist unser erstes Album und heisst "Cada vez que llueve" (jedes Mal wenn es regnet). Wie die meisten Nummern dieser CD stammt auch der gleichnamige Titelsong aus meiner Feder.

Elisa: Warum “jedes Mal wenn es regnet"? Regen ist nicht gerade das was wir uns hier unter dem heissen Osten Kubas vorstellen!

Lorenzo: Die Sache ist so: ich lebte früher in einem etwas baufälligen Haus. Stelle dir vor: wenn es draussen nicht mehr regnete, fing es drinnen damit an. Die ganze Familie rannte dann mit allen möglichen Eimern, Kochtöpfen usw. im Haus herum, was meist in ein riesiges Durcheinander und Gelächter endete. Oft fing dann irgendein Familienmitglied an zu singen und so haben sich diese regennassen Intermezzos zu einer hervorragenden Inspirationsquelle für meine Songs entwickelt...

Elisa: Und jetzt, konntest du umziehen?

Lorenzo: Ja, wir haben schliesslich ein besseres Haus gefunden in dem es nicht mehr drinnen regnet. Das Lied singen wir aber immer noch....

Elisa: Lorenzo, muchas gracias für das interessante Gespräch. Hoffentlich bleibt es während euren Open-Airs trocken!

* Radiostationen und die Print-Presse können die CD gratis bei Múzika Cordiés anfordern.